Mein Stil

Mein Stil

Ich übersetze Bedeutungen und klebe nicht an Wörtern und Strukturen, halte mich nicht sklavisch an den Ausgangstext – doch ich möchte dem Original treu bleiben und ihm gerecht werden.

Ich arbeite nach der 80/20-Regel: Ich widme mich 80% der Zeit meinen Aufträgen wie Buchübersetzungen und längerfristig in Auftrag gegebenen Texten und halte mir 20% für aktuelle und Eilaufträge frei.

Übersetzungen, Texte, Bücher, Fachliteratur, Salzburg, englisch, französich, deutsch

Was sind „belles infidèles“ und was haben sie mit meiner Arbeit zu tun?

Die sogenannten „belles infidèles“ sind idiomatisch schöne Übersetzungen (wörtlich übersetzt: Schöne Treulose), die nicht die Aussage des Originaltextes wiedergeben. Diese Form der Übersetzung, die sich vom 16. bis zum 19. Jahrhundert in Frankreich großer Beliebtheit erfreute, wirkt also wie ein zielsprachliches Original, das aber nur mehr wenig mit dem Ausgangstext zu tun hat. Zur Zeit der belles infidèles wurde diese besondere Form der Übersetzung mit dem Argument gerechtfertigt, dass fremdsprachige Texte an die Sitten und Konventionen der jeweiligen Zielkultur, in den meisten Fällen also der französischen Kultur, angepasst werden müssen. Auf den Originaltext wurde im Zuge dieser Entwicklung kaum Rücksicht genommen, die Texttreue wurde zu einem nebensächlichen Kriterium erklärt. Die Werke der belles infidèles-Übersetzer lasen sich folglich meist wie französische Originale und erfüllten damit auch ihren Zweck: Das erklärte Ziel der belles infidèles-Übersetzer war nicht die getreue Wiedergabe des Originaltextes, sondern dessen Verbesserung – sprachliche Qualität und Eleganz in der Zielsprache fungierten als wichtigste Bewertungskriterien für Übersetzungen. Doch nicht nur die sprachliche und ästhetische Form von Texten wurde an die französischen Normen angepasst, auch inhaltliche Aspekte wurden oft grundlegend verändert. In sozialkritischen Werken ließ man die gesellschaftlichen Umstände hinter einer Liebesgeschichte verschwinden, einige Geschichten mit unklarem oder sogar negativem Ausgang hatten plötzlich ein Happy End.

Nun stellt sich die Frage: Gibt es die belles infidèles heute noch? Und wenn ja, wie werden sie heute beurteilt? Heute werden die belles infidèles von vielen Experten auf dem Gebiet der Übersetzung eher als negativ, wenn nicht sogar abschätzig beurteilt und oft als Zeichen translatorischer Inkompetenz (…), Fehler, Verfälschung oder eine Art Zensur gewertet.

Doch wer Ausschau nach belles infidèles hält, wird auch heutzutage schnell fündig. Zwar haben diese modernen Versionen nicht mehr dieselbe Form wie früher, doch es ist nur natürlich, dass sich die Form der Übersetzungen im Laufe der Jahrhunderte verändert. Ein Beispiel für solche modernen belles infidèles ist die Übersetzung der Harry Potter Bände aus dem Englischen ins Französische. (…) Die verschiedenen literarischen Traditionen werden deutlich sichtbar: Die im Französischen übliche Anpassung steht der deutschen Tradition gegenüber, die dazu tendiert, fremdsprachige Ausdrücke unverändert zu übernehmen. In meiner Arbeit verwende ich keine belles infidèles. Erstens ist die Technik im deutschen Sprachraum kaum verbreitet und zweitens hätte ich dabei das Gefühl, den Autor des Originaltextes zu „verraten“.